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 Presse Berichte rund um den Letzten Spieltag am Bökelberg

22.05.2004

Tschüss, Bökelberg!

 

Abschied: Ein legendäres Fußballstadion hat ausgedient.


Mönchengladbach. Mit meinem Freund Helmut spazierte ich sonntags ins Stadion am Baggerfeld in Viersen. Zum Fußball natürlich. Die Grün-Weißen kickten damals, Mitte der 50er Jahre, in der Verbandsliga. Ich war zehn, Helmut ein Jahr älter. Wir spielten wochentags auf der Straße selbst Fußball, und alle 14 Tage nix wie raus zum Baggerfeld. Doch die Liebe zu den Grün-Weißen aus Viersen hielt nicht ewig. Genau genommen nur eine Saison. Denn es kam eine neue. Eines Tages nahm mich mein mit Szepan und Kuzorra groß gewordener Vater zur Seite und verkündete stolz: "Am Sonntag machen wir zwei einen Ausflug."

Wo sollte es hingehen, dachte ich damals. Viersen spielte auswärts. Ach ja, zum Wuppertaler Zoo vielleicht oder doch wieder Hariksee mit Kartoffelsalat und Schnitzel im Rucksack? Wir stiegen an jenem 17. Oktober 1957 mittags in die Straßenbahn. Sieben Stationen waren es bis zum Heidehaus an der Viersener Straße in Mönchengladbach. Dann noch einmal stramm am Bunten Garten vorbei bis zum Schürenweg. Herzklopfen. Ich hielt die Hand meines Vaters ganz fest. Mein Premierenspiel auf dem Bökelberg. Ein 5:1-Sieg über den VfB Bottrop! Da hat es gefunkt, und die Verbundenheit zum VfL Borussia hat bis zum heutigen Tag allen Stürmen getrotzt.

Tschüss, Bökelberg. Heute heißt es Abschied nehmen von dem wohl authentischsten Fußball-Stadion Deutschlands. Heute um 15.30 Uhr brechen die letzten Bundesliga-Minuten auf dem 61 Meter hohen Hügel im Stadtteil Eicken an, wo der Fußballverein Borussia Mönchengladbach seit 1919 seine Heimspiele austrägt. Anschließend fällt der Vorhang, beginnt in der sieben Kilometer entfernten Arena im Nordpark ein neuer Zeitabschnitt für den VfL. Dass mit München 1860 womöglich ein anderer Traditionsverein in die zweite Liga absteigt, entbehrt nicht einer gewissen Tragik.

Und doch ist dieses finale Spiel gegen die Sechziger nur symptomatisch für die mannigfachen Begegnungen in diesem Stadion. 1012 an der Zahl sind es, und es kommt keine mehr hinzu. Mythos Bökelberg. Eine Stadt, ihr Verein, das Stadion. Was ist das Besondere an dieser Kultstätte des Fußballs, die regelmäßig Besucher nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern aus allen Himmelsrichtungen anlockt?

Auch viele Mönchengladbacher, die nicht selber im Stadion waren, konnten sich der Bökelberg-Atmosphäre nicht entziehen. Mal beklemmende Stille, dann die lautstarke Geräuschkulisse des erlösenden Torjubels! Je nachdem, wie der Wind stand, erlebten die Leute rund um die "Kull" sogar bis zur Stadtmitte den Spielverlauf auf dem Platz und das Ergebnis irgendwie mit. Ein Umstand, den die Anwohner des Bunten Gartens in den legendären 70er Jahren durchaus zu schätzen wussten, später aber nicht selten verpönten. Wie anders ist es zu erklären, dass Anfang der 90er Jahre ein energischer Vorstoß des damaligen Managers Rolf Rüssmann, den Bökelberg mit Überdachung der Ostseite und einem angrenzenden Hotel zu modernisieren, am Veto einiger Anwohner scheiterte.

Alles Geschichte. Jetzt geht die Ära zu Ende. Der Abriss der steinernen Schüssel ist nicht mehr zu stoppen. "Das Stadion ist untrennbar mit dem Verein Borussia verbunden", sagt Torwart-Legende Wolfgang Kleff, "die Lebensgeschichte und der Erfolgsweg des Vereins haben den Bökelberg international zu einem Begriff ge macht." Der Gladbacher Jupp Heynckes, mit 220 Bundesligatoren einst einer der großen Spieler des deutschen Fußballs und heute Cheftrainer bei FC Schalke 04, beschreibt die Sekunden vor dem Einmarsch ins Stadion so: "Dieses Kribbeln im Spielertunnel, der vorsichtige Blick in Richtung Westtribüne, die voll besetzten Ränge, die Gesänge der Fans. Diese Momente werde ich nie vergessen. Sie prägen sich für alle Zeiten ein."

Als ich an jenem Oktobersonntag 1957 den Bökelberg betrat, steckte der deutsche Nachkriegsfußball noch in den Kinderschuhen, und der Bökelberg war halt die "Kull". Am oberen Rand der Nordkurve standen noch Bäume, und die Stufen im Westwall wurden mit dem Spaten und Muskelkraft aus dem lehmigen Boden ge stochen. Bei Regenwetter gab es für die Zuschauer so manche unfreiwillige Rutschpartie. Ich bin oft und ger ne mitgerutscht. Mit den Erfolgen der Borussia, die 1965 ganz oben in der Bundesliga angekommen war, stiegen auch die Ansprüche des Publikums. Und die Stadtoberen witterten nach dem Aufstieg in die Eliteklasse des deutschen Fußballs schnell den Werbeeffekt. War doch die "Fohlen-Elf" mit ihrem unvergessenen Trainer Hennes Weisweiler dabei, den Namen Mönchengladbach weltweit bekannt zu machen.

Die Stadt plante und investierte. Aber nicht genug. In der entscheidenden Phase des Umschwungs blieb sie abwartend, obwohl der langjährige Borussen-Manager Helmut Grashoff unermüdlich auf die Notwendigkeit eines modernen Stadions hinwies. Als vor den Olympischen Sommerspielen in München 1972 und der Fuß ball-WM in Deutschland 1974 die Karten neu gemischt wurden, spielte der Bökelberg keine Rolle beim "Millionenspiel" von Land und Bund. "Das hat uns in jener Zeit, da die Eintrittsgelder noch das Gros der Einnahmen bildeten, entscheidend zurück geworfen," sagt VfL-Präsident Rolf Königs heute, "im Vergleich mit Bayern München zum Beispiel oder auch zu anderen Klubs". Vorbei.

Mit dem neuen Stadion greift der Club vom Niederrhein wieder richtig an. So hoffen jedenfalls die vielen Fans der Gladbacher. Was bleibt, ist der Mythos Bökelberg mit Erinnerun gen, die die Generationen überdauern werden. Am 30. April 1970 läuteten die Glocken von Eicken Sturm, denn die Borussia hatte ihre erste Deutsche Meisterschaft gewonnen. Unter großem Getöse brach am 3. April 1971 beim Spiel gegen Bremen der Torpfosten, Gladbach wurde am grünen Tisch zum Verlierer erklärt und errang trotz dieser Benachteiligung den zweiten Meistertitel.

Eine leere Cola-Büchse, die am 20. Oktober 1971 den Kopf von Inter Mailands Torjäger Boninsegna getroffen haben soll, war Schuld daran, dass das wohl beste internationale Spiel der Gladbacher (7:1-Sieg) annulliert werden musste. Bei der Borussia wuchsen Weltstars wie Berti Vogts, Günter Netzer oder Jupp Heynckes heran, deren Namen untrennbar mit Gladbach verbunden sind.

In der Nordkurve heizte Superdrummer Manolo mit seiner Trommel die Stimmung unwiderstehlich an, und als beim Abstieg 1999 Tränen flossen, pilgerten sie ein Vierteljahr später doch alle wieder auf den Berg mit den steilsten Rängen der Liga und feierten schon bald den Wiederaufstieg.

Samstag - 22.05.2004

Von Jochen Schmitz 

M´gladbach. Der Bökelberg hat seine letzte Bundesligabegegnung erlebt und Borussias Platzwart Achim Stude stehen die Tränen in den Augen. Er spricht von der "bewegendsten Stunde im Leben". Der ZweiZentner-Mann lehnt an der Wand des Spielertunnels, presst seine schwieligen Hände vors Gesicht und droht jeden Moment in sich zusammen zu fallen. Neun Stunden zuvor hat sein letzter Arbeitstag in der Bundesligageschichte des Bökelbergs begonnen. "Eigentlich fühle ich mich wie immer und kann es noch gar nicht fassen, dass hier gleich für immer Schluss sein soll", sagt er und öffnet die Tore zum Bökelberg. In wenigen Minuten werden die ersten Kamerateams eintreffen, um alles für den großen Bundesliga-Showdown vorzubereiten.

Insgesamt acht Jahre hat der verheiratete Familienvater Stude jetzt eines der berühmtesten Stadien der Fußballwelt gehütet. Er war Freund und Ansprechpartner für die Spieler, die ihm öfter ihre kleinen Geheimnisse anvertraut haben. "Weil sie sich darauf verlassen können, dass ich niemals etwas verrate", sagt er stolz und zeigt auf das Schild an der Tür seines kleinen Büros. "Für Presse kein Zutritt", steht dort. "Das war wirklich immer sehr angenehm dort. Hier konnten wir Spieler uns auch mal hin zurück ziehen", sagt Keeper Jörg Stiel. Später, im kleinen Kreis, wird er über Stude sagen, dass er ein "echter Freund" sei. "Ein Mann, wie man ihm im Leben nur sehr selten trifft."

Um 8.30 Uhr ist Stude im Technikraum tief unter den Umkleidekabinen neben der Nordkurve verschwunden. "Jetzt bekommt der Bökelberg zum letzten Mal den Saft angestellt", sagt er und drückt nacheinander dutzende von runden Schaltern. Er tut das nicht mit der unbedarften Handbewegung wie man einen gewöhnlichen Lichtschalter betätigt. Seine Hand berührt die Tasten so vorsichtig, als handelte es sich dabei um eine kostbare Ming-Vase. "Bis zum letzten Tag haben wir die alte Dame Bökelberg spielbereit gehalten, da soll mit der in die Jahre gekommenen Technik auch heute nichts mehr schief gehen.

11 Uhr: Aus Studes Hosentasche ertönt jetzt immer öfter die US-Nationalhymne. Der Amerika-Fan hat sie sich als Klingelton aus dem Internet auf sein Handy geladen. Irgendjemand braucht ihn immer. Mal sind es die Fernsehleute die nach Verlängerungskabeln fragen mal die Mitarbeiter im Vip-Zelt, die nach Klebeband und Edding fragen. Stude rennt los, wenn er gebraucht wird.

Vom Innenhof über die Tribüne auf die Alm und wieder runter. Wie oft am Spieltagtag? Gezählt habe er es nie, sagt er und sprintet mitten im Satz los. "Runter vom Rasen, sofort", brüllt er vom Zaun oben an der Nordkurve durch das ganze Stadion. Die seit 12 Uhr eintreffenden Ordner wollen auf dem Rasen des Bökelbergs letzte Erinnerungsfotos machen. Stude entgeht nichts. Mit den Jahren ist seine Stimme rauer geworden und abends zwickt ihn schon mal der Rücken. Aber seine Nerven hätten nicht unter der Arbeit gelitten. "Diesen Job machst du nur, wenn du die Raute im Herz hast."

Mit Spielbeginn ist sein Platz direkt am Spielertunnel, falls er irgendwo gebraucht wird. Doch heute ist es ruhig, keiner will das letzte Spiel verpassen. Sonst musste er sich während des Spiels oft um eingetretene Türen oder verstopfte Toiletten kümmern. Heute kann er "zum ersten Mal", wie er sagt, ein Spiel ganz genießen. Die letzte Begegnung der Borussia am Bökelberg und auch das letzte Spiel für ihn. Denn als städtischer Angestellter wird er nicht mit in den Borussia-Park wechseln. Zwar hätte ihm die Stadt keine Steine in den Weg gelegt, doch Borussia habe ihm nur einen Einjahresvertrag geben wollen. Die Sitten sind rau im Bundesligageschäft, auch für Erstliga-Platzwarte.

Um kurz vor Mitternacht schließt Stude dann als letzter den Mythos Bökelberg ab. Zwar wird er noch bis zum letzten Tag des Stadions bleiben, doch aus der Bundesliga hat er sich Verabschiedet unter Tränen.

Montag - 24.05.2004

Von Tim In der Smitten

 

 Abschieds-Orgie auf dem Bökelberg

Mönchengladbach. Der Bökelberg hat Stürme, Kälte und Hitze überstanden. Am Samstag wurde die alt-ehrwürdige Betonburg einer letzten Herausforderung ausgesetzt: Doch auch die tausendfachen Abschiedstränen konnten den Beton nicht erweichen.

Mit «Time to say goodbye» wurden die 34500 Zuschauer vor dem Anpfiff eingestimmt, was folgte war eine Abschieds-Orgie.

Abschied vom Stadion, Abschied von zahlreichen Spielern und 105 Minuten später der Abschied von 1860 München und seinem Trainer Gerald Vanenburg, der seinen Abschied am Tag danach verkündete: Das 3:1 der Mönchengladbacher Borussia besiegelte den Abstieg der «Löwen» ins Schreckensreich Zweite Liga.

Doch auch Sentimentalitäten stoßen an Grenzen. Die wurden von Trainer Holger Fach vor allem sportlich gesetzt. «Ich wollte das Spiel unbedingt gewinnen. Bevor wir es abschenken, wollten wir lieber Elfter werden. So egoistisch sollte man ruhig sein.»

Und so musste ein Mann recht lange warten, bis er noch zu seinem verspäteten Abschiedsspiel kam: In der 81. Minute betrat Torwart-Trainer und Borussen-Urgestein Uwe Kamps zum letzten Mal die Fußball-Bühne: Der 39-Jährige wurde für den scheidenden Jörg Stiel eingewechselt.

«Das war das Genialste: Wenn du dein letztes Spiel beim letzten Spiel auf dem Bökelberg machen darfst, nachdem du 22 Jahre für den Verein gekickt hast», freute sich Sportdirektor Christian Hochstätter über die «Ehrung» seines ehemaligen Team-Kollegen.

Der musste allerdings lange auf seinen 390. Einsatz warten: «Ich wollte sicher sein, dass in Kaiserslautern und Hamburg alles klar war. Denn den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung wollte ich nicht riskieren», erklärte Fach. «Ich war schon sehr nervös», gab Methusalem Kamps zu. Erst im letzten Moment konnte der Torhüter davor bewahrt werden, mit Uhr aufzulaufen.

Für die Münchner Gäste war es nicht leicht, die Rest-Chance auf den Klassenerhalt mit sportlichem Leben zu erfüllen. Zur Abhängigkeit von den Niederlagen der Konkurrenz kam ihr eigenes Spiel mit teils bizarrer Atmosphäre hinzu. Kioyo-Jubelgesänge, die feierwütige Nordkurve, die mit Borussias Ersatzspieler das Warmmachen durch die Welle zelebrierte, die seltsam konzentrierte Lockerheit der Mönchengladbacher. Dazu kamen die eigenen sportlichen Unzulänglichkeiten, speziell in der Abwehr.

Die nutzte Arie van Lent, um sich mit einem letzten Ausrufezeichen zu verabschieden. Einen Freistoß von Ivo Ulich wuchtete er mit dem Kopf zum 3:1-Endstand ein. «Das ist, was man sich erträumt: Im letzten Spiel noch einmal seine Torgefährlichkeit zu beweisen», sagte der 33-Jährige, der sich mit seinem neunten Saisontreffer würdig Richtung Eintracht Frankfurt verabschiedete.

Die Ehrenrunde auf den Schultern von Uwe Kamps und Max Eberl war für den Charakter-Spieler ebenso wie die Arie-van-Lent-Gesänge der Fans die Bestätigung, «dass ich fünf Jahre lang eine ordentliche Leistung abgeliefert habe».

Dem kollektiven Trubel von Anhängern und Spielern entzog sich erfolgreich Jörg Stiel. Der Torhüter feierte seinen Abschied zurückgezogen mit einer Flasche Bier in der Kabine von und mit Platzwart Achim Stude. «Ich mag das nicht so auf dem Platz», erwies sich der Schweizer auch bei seinem letzten Auftritt als spezieller Typ.

Der Weggang war für ihn eine Entwicklung, «die eigentlich schon begonnen hat, als Hans Meyer aufgehört hat. Das war schon ein kleiner Bruch.»

In der Rückrunde wurde seine Entscheidung endgültig. «Jeder Mensch braucht Vertrauen. Auch ein 36-jähriger Torhüter. Qualität ist es dann, selbst zu entscheiden.» Mit dieser Entscheidung ist dann auch etwas von ihm abgefallen. Ablesbar an seinen letzten Leistungen in Dortmund und Samstag gegen 1860 München. Der Beweis ist erbracht: «Auf hohem Niveau Torhüter zu sein.»

Davon, und vom «einmaligen» Typ Jörg Stiel könnten die Grashoppers Zürich profitieren. «Es geht mir nicht mehr ums Geld. Das ist ein guter Verein. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen.»

Sladan Asanin wurde schon mal «prophylaktisch» verabschiedet, auch wenn der Kroate das Einjahres-Angebot der Borussia noch annehmen kann.

Doch es gab auch «Zugänge». Einen der speziellen Art: Steffen Korell feierte nach über 13-monatiger Verletzungspause sein Comeback als Innenverteidiger.

Und einen «normalen»: Leverkusens ablösefreier Stürmer Oliver Neuville unterschrieb einen Zweijahresvertrag plus ein Jahr Option.

Von unserem Redakteur Bernd Schneiders   (23.05.2004 | 19:45 Uhr)

 

Borussia Mönchengladbach - 1860 München 3:1 (2:1)
 

 

 

 

 

  Mönchengladbach (rpo). Der Gladbacher Bökelberg hat bei seinem letzten Bundesligaspiel noch einmal reichlich Emotionen erlebt: Während die Gastgeber Abschied von ihrer traditionsreichen Heimspielstätte feierten, betrauerte 1860 München nach der 1:3 (1:2)-Pleite den Abstieg aus der Bundesliga.

  STIMMEN ZUM SPIEL:

Trainer Holger Fach (Borussia Mönchengladbach): "Ich bin froh, dass die Mannschaft das letzte Spiel nochmal ernst genommen hat. Vor allem, weil die Woche locker ablief und die Luft bereits raus war. Mit den ersten 20 Minuten war ich überhaupt nicht zufrieden, danach lief es besser. Ich möchte mich bei der Mannschaft bedanken, dass sie die acht Monate so toll mitgearbeitet hat."

Trainer Gerald Vanenburg (1860 München): "Die Mannschaft hätte das 1:0 länger festhalten müssen. Nach dem schnellen Ausgleich und dem 2:1 war alles vorbei. Aber wir sind nicht heute abgestiegen, sondern in der Vergangenheit. Ich bin heute nicht in der Lage, über meine Zukunft zu sprechen."

 

 

 

 

 

23.05.2004

Ein stimmungsvoller Rückblick

mo. Das Spiel interessierte nur am Rande. Jeder genoss noch einmal die einzigartige Atmosphäre in diesem Stadion. Es waren noch einmal 90 Minuten, die die ruhmreiche Geschichte des Bökelbergstadions um ein Kapitel erweiterten. Danach wurde Abschied gefeiert. Ein Stimmungsbericht.

Bereits morgens um 10 Uhr pilgerten die ersten Gladbach-Fans mit Bollerwagen und grün-weißen Luftballons Richtung Bökelberg. Der Berg, der eigentlich keiner ist, hat nichts von seiner Magie verloren. Es war so wie in den vielen Jahren zuvor. In der Fußgängerzone in Eicken versammelten sich die Fans vor den bekannten Kneipen wie die Regentenstraße, Malzkorn oder Römer-Eck. Die Pilgerschar zog vorbei am Denkmal für die Borussen-Spieler, wo ein Vogts in Bronze daran erinnert, dass der Stadtteil Eicken eng mit der Borussia verbunden ist.

Im Stadion selbst war es zunächst ruhig. Zu ruhig. Irgendwie waren wohl alle in wehmütiger Stimmung. Die Fans hatten bereits am Samstag damit begonnen, die riesige Choreographie vorzubereiten. "Das ist der Hammer, was die da geleistet haben", war Borussias Fanbeauftragter Thomas Weinmann begeistert. Auf der Tribüne wurden weiße und grüne Pappen verteilt. Als dann die Borussen und die 60er zum letzten Mal im Stadion einzigen, wurde "Time to say goodbye" gespielt. Dazu die Choreographie - das war kein normales Fußballspiel! Der Mythos verabschiedete sich und die ersten Tränen wurden auf den Rängen verdrückt.
Spannend war das Spiel (glücklicherweise) nicht, aber dafür hatten viele Momente ihren Reiz. Herbert Fandel ließ mal wieder einen ominösen Elfmeterpfiff los und die alte Stimme vom Bökelberg, Rolf Göttel, kehrte noch einmal zurück und verkündete den Ausgleich von Vaclav Sverkos. Dann ging Arie van Lents Traum in Erfüllung. Er durfte den Schlusspunkt setzen und markierte das 3:1. Irgendwie passte alles zusammen! Und auch Uwe Kamps, eine andere Legende, durfte tatsächlich noch einmal Bundesligaluft schnuppern. Er spielte in den letzten 10 Minuten für Jörg Stiel und durfte wie in alten Zeiten noch einmal die Arme recken, wenn der Ball ins Toraus ließ. Einmal verschätzte sich der Keeper und hatte Glück, als der Ball nur den Pfosten berührte. Die VfL-Bank lachte sich schlapp.

Zwei Minuten vor Spielende nahte der große Abschied. Der Stadionsprecher wies noch einmal darauf hin, dass keiner den Platz stürmen sollte. Und jeder hielt sich daran. Der Schlusspfiff war ein bewegender Moment. Alle standen auf (wenn sie nicht bereits schon standen), aber keine verließ das Stadion. Keiner stürmte den Rasen. Es war verhältnismäßig ruhig. Der Abschied verlief diszipliniert und ohne besondere Vorkommnisse. Die Ordner und der extra engagierte Sicherheitsdienst hatten nichts zu tun.
20 Minuten nach Ende des Spiels waren die Ränge immer noch voll. Keiner wollte gehen. "Bye, Bye" Bökelberg sangen tausende mit, während Arie van Lent noch immer fleißig Interviews geben musste. Eine Stunde danach harrten immer noch einige aus, die sich nicht trennen wollten. Der Eickener Marktplatz sowie die Halle waren schon rappelvoll. Hier stieg die große Fanparty. Im VIP-Zelt auf der Alm feierten die geladenen Gäste. Einige "alte" Borussen wie Le Fevre, Del Haye oder Wilfried Hannes wurden gesichtet. Die aktuellen Spieler kamen später hinzu und gaben fleißig Autogramme. Nach ihrem Auftritt in der proppenvollen Mehrzweckhalle ging dann noch im Zelt die Post ab. Und es wurde spät. Sehr spät. Ein letzter Blick auf den Bökelberg, der im Dunkeln ruhig schlummerte, und dann ging es nach Hause. Es war ein unvergeßlicher Tag. Der letzte Tag am Bökelberg.

Übrigens wurde im Rahmen der Feierlichkeiten noch ein Neuzugang verkündet: Nationalspieler Oliver Neuville spielt in der kommenden Saison für Borussia Mönchengladbach.

MIKE OFFERMANNS


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